21.09.2017

von B° RB

vermacht.verfallen.verdrängt.

Kunst und Nationalsozialismus
. Ausstellung am 24. September bis 19. November 2017 in Rosenheim

Hans Müller-Schnuttenbach, Inv.Nr. 689.A: Max-Josefs-Platz in Rosenheim im Winter, o.J.

IDEOLOGIEKONFORME BILDSPRACHE?

Die Städtische Galerie Rosenheim blickt in die Vergangenheit. 

Die Städtische Galerie Rosenheim präsentiert zu ihrem 80-jährigen Bestehen vom 24. September bis 19. November 2017 die Ausstellung "vermacht.verfallen.verdrängt. Kunst und Nationalsozialismus".

Erstmals in der Geschichte des Hauses wird mit dieser Ausstellung die Zeit des „Dritten Reiches“ und deren Bedeutung für die Entwicklung der Rosenheimer Kunstsammlung dargestellt: Welche zentrale Rolle spielten die voralpinen Sujets des Inntals, Chiemgaus und Mangfallgaus für das Kunstverständnis im „Dritten Reich“? Warum erfreuten sich gerade Rosenheimer Maler einer so großen Beliebtheit bei den Nationalsozialisten? Welche Rolle spielten hierbei die Städtische Sammlung und der Rosenheimer Kunstverein? Welches Ansehen hatten die Maler nach dem Ende der NS Herrschaft? Wie erging es nicht konformistischen Maler? 

Bei den meisten der ausgestellten Künstler handelt es sich um angesehene Persönlichkeiten, deren erste regionale und nationale Erfolge nicht auf die Politik des Nationalsozialismus zurückzuführen sind. Das „Dritte Reich“ bot ihnen jedoch Möglichkeiten, ihre bisherigen künstlerischen Erfolge durch die Beteiligung an ideologiekonformen Ausstellungen um ein Vielfaches zu übertreffen.

Bekannte Rosenheimer Künstler, die im Nationalsozialismus in oder nahe Rosenheim lebten und arbeiteten oder mit Rosenheim eng verbundene Künstler, wie Hans Müller-Schnuttenbach und Anton Müller-Wischin gehörten zu den erfolgreichsten Teilnehmern an der Großen Deutschen Kunstausstellung (GDK) im Haus der Kunst in München in den Jahren 1937 bis 1944. 

„Es wäre falsch, diese Werke nur als fehlgeleitete NS-Kunst zu kategorisieren und ungezeigt in den Keller z u verbannen. Weder sind die Ausstellungsstücke einfach nur schöne Gemälde oder gar politisch harmlos, noch können sie per se als ideologiegetriebene Werke ohne kunsthistorischen Wert klassifiziert werden“, betonen Ausstellungskurator Felix Steffan, M.A. und Galerieleiterin Monika Hauser-Mair.

Die umfassende Präsenz der vermeintlich randständigen und Ende der 1930er Jahre nur gut 20 000 Einwohner zählenden Stadt Rosenheim im nationalsozialistischen Kunstbetrieb stellt ein in mehrfacher Hinsicht erklärungsbedürftiges Phänomen dar, wenn man bedenkt, dass der nahe Rosenheim gelegene Chiemsee häufiger ein Bildmotiv darstellte als die Reichshauptstadt Berlin. 

Begleitend zur Ausstellung wurde mit Hilfe von Fördergeldern der Ernst von Siemens Kunststiftung ein substantieller Katalog erstellt, in dem unter anderem Experten wie Privatdozent Dr. Christian Fuhrmeister (Zentralinstitut für Kunstgeschichte), Dr. Oliver Kase (Bayerische Staatsgemäldesammlung) oder Prof. Magdalena Bushart von der Technischen Universität Berlin zur Problematik NS-Kunst Stellung nehmen. 

Zudem bietet die Galerie ausstellungsbegleitend wieder ein kulturelles Rahmenprogramm, kunstpädagogische Angebote für Schulklassen, Sonderführungen und Diskussionsrunden. So wird beispielsweise am 4. Oktober 2017 in einem ganztätigen wissenschaftlichen Kolloquium am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München der Frage nachgegangen, warum es auch heute noch, bzw. gerade wieder sinnvoll ist, Kunst aus der NS-Zeit zu zeigen und anzusehen.

Weitere Informationen unter Tel. 08031/365 1447 und staedtische-galerie@rosenheim.de.

Begleitprogramm

„ACHTUNG! WICHTIG“ – Rosenheim auf Plakaten aus der NS-Zeit

4. Oktober bis 24. November 2017;

Ort: Stadtarchiv Rosenheim

Kolloquium „NS-Kunst“ zeigen

Mittwoch, 4. Oktober 2017, 12 bis 19.45 Uhr;

Ort: Pinakothek der Moderne, Rotunde, Barer Straße 40, 80333 München und 

Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Katharina-von-Bora-str. 10, 80333 München

Kuratorenführungen mit Felix Steffan M.A.

Sonntag, 8. Oktober, 14 Uhr und Sonntag, 19. November, 14 Uhr;

Städtische Galerie Rosenheim

Vortrag „München – Hauptstadt der Bewegung – Hauptstadt der Deutschen Kunst"

Freitag, 13. Oktober 2017, Veranstalter VHS Brannenburg; Referentin Ute Gladigau M.A.

Ort: Alte Kunstschmiede der Künstlerkolonie, Schlossstraße 1, Brannenburg

Führung mit Schwerpunkt

Sonntag, 22. Oktober 2017, 14 Uhr

„Ein stets willkommener Gast? Sepp Hilz und der Rosenheimer Kunstverein 1933–1967“. Dialogische Führung entlang ausgewählter Exponate mit den Kunsthistorikern Mareike Schwarz und Maximilian Westphal;

Städtische Galerie Rosenheim

Abendführung mit Elisabeth Rechenauer M.A.

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 18 Uhr;

Städtische Galerie Rosenheim

„Monolog meiner Mutter"

Samstag, 11. November 2017, 17.30 Uhr

Theaterinstallation von Traudel Bogenhauser / navarra-art-project;

Ort: Städtische Galerie Rosenheim

Kunstpädagogik für Schulklassen aller Altersstufen

Das kunstpädagogische Programm umfasst eine altersgerechte Schulklassen-Führung mit Kunsthistorikerin Elisabeth Rechenauer, in der ausgewählte thematische Schwerpunkte der Ausstellung vertieft werden. Informationen und Anmeldung unter Tel. 0049 (0) 8031/3651447;

Ort: Städtische Galerie Rosenheim

Weitere Führungstermine sind nach Anmeldung möglich. Eine Anmeldung zu allen Veranstaltungen ist erforderlich unter Tel. 0049 (0) 8031/365 1447.

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