09.08.2010

von B°-MR

Trauerfloristik anders

Die neue Blumenschau zeigt viele Blumen-Kreationen, die neu und ungewöhnlich erscheinen und trotzdem angemessen sind.

Impressionen aus der Blumenschau Trauerfloristik

Impressionen aus der Blumenschau Trauerfloristik

Impressionen aus der Blumenschau Trauerfloristik

Impressionen aus der Blumenschau Trauerfloristik

Das Schlimmste passiert: Eine junge Mutter stirbt, ein kleiner Junge verliert das Liebste was er hat. Für die Beerdigung möchte er selbst die Schleife des Kranzes beschriften und schreibt mit wasserfestem Stift: "Tschüs Mama, du bist jetzt im Himmel, ich komme später nach…" So darf er auf seine Weise Abschied nehmen. Nicht immer gelingt das den Angehörigen.

Die zehnte Ausstellung in der Blumenhalle der Landesgartenschau widmet sich diesem heiklen, gerne verdrängten Thema. Dem Tod und der Trauer. Sie möchte Ideen geben und Mut machen, sich ganz persönlich und individuell zu verabschieden. In dem Beitrag "Worte zum Abschied" stehen deswegen den traditionellen Abschiedsworten wie "Ich werde dich vermissen; Ruhe in Frieden; wir bleiben für immer verbunden; im Stillen Gedenken; in Liebe und Dankbarkeit – handgeschriebene persönliche Botschaften gegenüber.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, der Trauer durch Blumenschmuck eine würdige und feierliche Form zu geben. Aber viele Menschen trauen sich nicht, ihren Gefühlen zu folgen, sind angesichts des plötzlichen Todes eines geliebten Menschen überfordert, halten sich an das Altbekannte, Übliche. Die immergleichen Blumenkränze und die immergleichen Worte sind bei Beerdigungen und Trauerfeiern zu entdecken. Das muss nicht sein.

Die neue Blumenschau zeigt viele Blumen-Kreationen, die ungewöhnlich und neu erscheinen und trotzdem elegant und angemessen sind. Ein großer Kranz mit weißen Lilien und Asparagus-Grün schwebt über dem Wasser. Ein anderer abgehängter üppiger Kranz aus Clematiszweigen trägt Hortensien in allen Lilatönen. Beide denkbar für einen größeren Anlass, eine Gedenkstätte, eine öffentliche Einrichtung. Ein Meer aus Blüten, Duft und Farben tröstet. Die Größe der Kränze lässt sich immer individuell anpassen. Weitere Bereiche zeigen eine Vielfalt floristischer Arbeiten, spartanisch mit Leichentuch, verschiedenste Kranzformen.

Dem Zeitgeist wird Rechnung getragen mit "Designersärgen" -  für die geliebten Toten etwas ganz Besonderes. Nicht die übliche Sargform, ungewöhnliche Farben und Muster, Engelsflügel wachsen auf einem Sargdeckel. Hallenschaugestalter Dieter Scheffler weiß, dass dies sicher für einige Besucher gewöhnungsbedürftig sein wird: "Aber wir versuchen dieses Tabu-Thema mit ästhetischen und kreativen Mitteln salonfähiger zu machen. Es wäre schön, wenn die Besucher ein wenig nachdenklich werden und sich überlegen: Wie stehe ich zu diesem Thema? Wie möchte ich mich von meinen geliebten Menschen verabschieden?

Natur und Einfachheit – ist ein anderes stärker werdendes Bedürfnis vieler Menschen. Friedwälder entstehen, sogar mit Unterstützung der Kirchen. Auch dies zeigt die neue Ausstellung. Ein angedeuteter Friedwald, eine Fläche mit vielen Bäumen. Birken, Buchen, Akazien - ein Mischwald mit Wiese – schlicht und ergreifend. Schmucklos schön.

Dann eine Installation aus farbigen Hölzern. Sie bildet ein großes Kreuz, darunter Ahorn, Erika und andere Herbststauden. Der Traum vom kleinen individuellen Grab, dem idyllischen Stück Friedhof in einer hektischen Zeit – unter klarem Sternenhimmel. "Immer wenn ein Mensch geht, wächst ein Stern am Himmel", sagt man. Und so spielen auch Sterne eine wichtige Rolle in dieser Ausstellung. Kränze und Kreuze - die Symbolik der Trauer, bestimmen bisher das Aussehen des Grabschmucks. Und doch finden sich in der Blumenhalle nun neue ungewöhnliche Vorschläge – Grab- und Urnenschmuck in Sternenform oder als blumengeschmückte Gondel. Trauerfloristik hat eben viele ungeahnte Aspekte. "Wir müssen uns trauen umzudenken! So individuell wie jeder Mensch trauert, so individuell darf auch die Gestaltung des Blumen- und Grabschmucks sein", betont Dieter Scheffler und dann fügt er hinzu. "Der Tod gehört nun mal zum Leben. Wenn ich das den Menschen wieder näher bringen kann, nehme ich eine kontroverse Diskussion, ob man Särge auf einer Gartenschau sehen möchte, gerne in Kauf!"

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